Britisches Forschungprojekt zu Turmknäufen
Interaktive Regionalkarte zeigt Fundorte im Braunschweiger Land
Der Schweizer Historiker Beat Kümin ist Professor für europäische Geschichte der Frühen Neuzeit am Department of History der englischen Universität Warwick. Er koordiniert dort mit dem Warwick Network for Parish Research ein Netzwerk zur Erforschung der frühneuzeitlichen und modernen europäischen Pfarrgeschichte.
Sein aktuelles Projekt widmet sich der Erschließung von Turmknauf- oder Turmkapseldokumenten in Territorien des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die auch als Zeitkapseln bezeichnete Behältnisse werden in den Knauf oder die Kugel auf dem Kirchturm eingelegt. In der Regel enthalten sie Dokumente mit lokalen, regionalen und überregionalen Informationen aus der jeweiligen Zeit, meist geschrieben vom Pfarrer, Lehrer oder Bürgermeister eines Ortes. Manchmal finden sich auch Fotos, Zeitungen, Münzen und andere interessante Objekte, die der Nachwelt auf diesem Weg überliefert werden sollen. Im Zuge seiner Recherchen wurde Kümin auch auf dem Gebiet der Braunschweigischen Landeskirche überaus fündig. Ausgehend von der reichhaltigen Sammlung des Landeskirchlichen Archivs hat der Forscher nun eine interaktive Regionalkarte erstellt. Sie zeigt, ergänzt durch weitere Hinweise aus Kirchengemeinden, ein Netz der bislang erfassten Fundorte von Dokumentenfunden aus den hiesigen Kirchturmknäufen.
Zur Projektpräsentation auf der englischsprachigen Website der Universität Warwick gehört ein Blog, der ebenfalls unter anderem auf die braunschweigischen Funde verweist und interessante Details zur materiellen Seite dieser besonderen Spielart der lokal-kirchlichen Erinnerungskultur verrät.
Weitere Fundlandschaften des Projektes sind Mecklenburg-Vorpommern, das österreichische Land Vorarlberg und der Schweizer Kanton Zürich.