Organisation

Zur Schlesischen Kirche A.B. in der tschechischen Republik gehören rund 15.600 Gemeindeglieder in 21 Gemeinden. Neben 32 Pfarrern, drei Vikaren und drei Diakonen kümmern sich drei Hilfsgeistliche in Krankenhäusern und Dutzende von ehrenamtlichen Mitarbeitern um das geistliche Leben der Gemeindeglieder.
Das höchste Gremium der Schlesischen Kirche ist die Synode. Die Kirche wird durch einen aus neun Mitgliedern (vier Ordinierte und fünf Nichtordinierte) bestehenden Kirchenrat geleitet. An der Spitze der Kirche steht Bischof Mag. Stanislav Pietak, PhD., sowie der Kirchenkurator Ing. Adam Cieslar. Stellvertreter des Bischofs ist Mag. Jan Waclawek, Stellvertreter des Kirchenkurators ist Marta Czyžová.
Die Schlesische Kirche ist auf einem verhältnismäig kleinen Territorium - etwa 100 km lang und etwa 40 km breit - tätig. Die Region des zu Teschen gehörenden Teils von Schlesien liegt im Nordosten der Tschechischen Republik. Seit den letzten Jahren entfaltet die Schlesische Kirche A. B. ihre Aktivitäten in Prag, Brünn und ist auch in Bruntál und in Umgebung missionarisch tätig.
Geschichte

- Jirí Tranovský

- Zinzendorf Denkmal Herrnhut, Quelle: Wikipedia
Noch zu Lebzeiten Luthers fasste die Reformation in dem zu Teschen gehörenden Teil Schlesiens Fuß. Bereits um 1550 war das gesamte Land evangelisch geprägt. Der Teschner Fürst Václav Adam aus dem Geschlecht der Piasten war ein eifriger Befürworter der Reformation, er verhalf den Evangelischen zu einem ersten organisatorischen Aufbau ihrer Kirche und begründete eine liturgische Ordnung. Der Sohn Václav Adams, Adam Václav, jedoch wurde katholisch und begann die Evangelischen zu verfolgen. Seit 1617 wurden den Evangelischen Kirchen weggenommen, und im Jahr 1654 wurden ihnen die letzten 50 Kirchen geraubt. Die evangelischen Pfarrer verwies man aus dem Land und das Abhalten von Gottesdiensten wurde verboten.
Zu den Pfarrern gehörte auch Jirí Tranovský (1592-1637), der in Teschen geboren wurde. Nur die Treuesten blieben bei ihrem Bekenntnis und trafen sich auf geheimen Versammlungen in den Bergen und Wäldern. Erst nach 50 Jahren schwerer Verfolgung erhielten die Evangelischen dank der Bemühungen des schwedischen Königs und „aus Gnaden“ des Kaisers in Wien die Kirche in Teschen am Höheren Tor (1709). Unter dem Einfluss des gesegneten Dienstes der pietistischen Prediger und Lehrer in den Jahren 1709 – 1730 kam es zu einer groen geistlichen Erweckung, die viel Menschen erfasste. Vile Menschen, die insgeheim evangelisch geblieben waren, kamen bis aus Valašsko, Kravarsko und aus weiteren Regionen zu den Gottesdiensten, trotz der strengen Bestrafungen, die drohten. Die Nachkommen der Anhänger von J. A. Comenius (1592 – 1670) aus Suchdol wurden durch die Predigt von J. A. Steinmetz zur Nachfolge Christi ermutigt. Sie verließen ihre reichen Güter und gründete im Jahr 1722 im Kurfürstentum Sachsen die Gemeinde Herrnhut gegründet, aus der seit 1732 Missionare in die ganze Welt ausgesendet wurden. Die Jesus-Kirche in Teschen wurde also ein Ursprungsort der Weltmission und Mutter vieler evangelischer schlesischer Gemeinden.
Im Jahr 1781 erließ Kaiser Josef II. ein Toleranzpatent, das den Evangelischen in den Habsburger Länder die Gründung neuer Gemeinden und den Bau von Bethäusern ermöglichte (ohne Turm der Eingang musste auf der der Hauptstraße abgewandten Seite der Kirche liegen). Gleich nach diesem Erlass wurden neue Kirchengemeinden in Bludovice, Komorní Lhotka, Návsí und in anderen Ortschaften des Teschner Landes gegründet. Eine völlige Gleichstellung mit den Katholischen erreichten die Evangelischen erst nach dem Jahr 1848 durch das sogenannte Kaiserliche Patent.
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es zu einer neuen Welle der geistlichen Erweckung, aus der die Christliche Gemeinschaft und die evangelische Diakonie hervorgingen. Später wurde diese Region wesentlich von den nationalistischen Streitigkeiten und Kriegen betroffen. Im zweiten Weltkrieg wurden fast alle örtlichen Pastoren am Dienst gehindert, einige wurden zu Zwangsarbeiten eingesetzt oder verhaftet. Ein Fünftel von ihnen kam in den Konzentrationslagern ums Leben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das kommunistische Regime das Ziel, die Religion auszurotten. Daher bemühten sich die Machthaber darum, alle Aktivitäten der Kirche zu kontrollieren und zu drosseln. Diesem Druck widersetzte sich eine Missionsbewegung unter der Leitung vom Pastor Vladislav Santarius (1915-1989), aus der viele begeisterte und gut ausgebildete Mitarbeiter hervorgegangen sind. Die heutige Freiheit, die aber verbunden ist mit einer Abnahme des Interesses am christlichen Glauben, stellt für die Kirche eine große Herausforderung dar: Den Kindern wird das Wort Gottes in Kindergottesdiensten, im Religionsunterricht an den Schulen und im Konfirmandenunterricht nahe gebracht. Die Jugendlichen nach der Konfirmation treffen sich in Gruppen der sogenannten Heranwachsenden (14 – 17 Jahre) und in Gruppen junger Erwachsener (17 – 25 Jahre). Zu den weiteren Zielgruppen gehören Gruppen der älteren Jugend, junge Familien, Frauen, Männer, mittlere Generation und Senioren. Den Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, hilft die Schlesische Diakonie in ihren 45 Einrichtungen. Außerdem ist die Seelsorge durch die Geistlichen in den Krankenhäusern wichtig. Die Gemeinden bieten auch Hilfe für Außenstehende, nämlich den Straßenkindern oder den Alkoholikern. In der Justizvollzugsanstalt arbeitet ein Gefängnisgeistlicher und einige Gemeinden nehmen an Programmen teil, in denen sie die Menschen, die im Widerspruch zum Gesetz stehen, zur Versöhnung mit Gott und den Menschen ermutigen.
Der Schwerpunkt der Kirche liegt auf dem Studium der Bibel, auf der Gebetsgemeinschaft vor Gott und auf dem Leben nach den biblischen Grundsätzen. Zum Lobpreis Gottes sind verschiedene Musik- und Gesangsgruppen tätig (gemischt, weiblich, männlich, Kindergruppen), von denen sich die Jugendgruppen und Bläsergruppen großer Beliebtheit erfreuen.
Ökumene
Die Schlesische Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses gehört zum Verband der christlichen Gemeinschaften, die im Ökumenischen Rat der Kirchen in Tschechien zusammengeschlossen sind. Sie ist Mitglied des Lutherischen Weltbundes, der Konferenz Europäischer Kirchen und des Weltkirchenrates. Partnerschaftliche Zusammenarbeit verbindet sie mit der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig, mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche Hannovers und der Evangelisch-Lutherischen Kirche (E.L.C.A) in den USA.
Quellen: Imagebroschüre Schlesische Evangelische Kirche A.B. (gekürzt)





