Der auf Martin Luther (1483 bis 1546) bezogene Name hat sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts neben der Bezeichnung protestantisch durchgesetzt. Meist wird er heute als evangelisch-lutherisch gebraucht. Diese Konfession bezeichnet eine der großen Kirchenfamilien der Christenheit. Die lutherischen Kirchen haben weltweit rund 64 Millionen getaufte Mitglieder. Sie sind in der Reformation im 16. Jahrhundert entstanden. Römisch-katholische Gemeinden und Kirchen bekundeten damals ihren Konfessionswechsel durch die Übernahme reformatorischer Bekenntnisschriften, die die maßgeblichen Lehrstücke und Glaubensnormen zusammenfassen. Eine hervorragende Rolle spielte dabei die Augsburgische Konfession (Confessio Augustana) vom 25. Juni 1530.
Die lutherische Reformation wurzelt in der Glaubenserfahrung Martin Luthers und gründet sich auf die Heilige Schrift. In seiner Kritik an der so genannten Werkgerechtigkeit der damaligen Kirche betont Luther, dass der Mensch vor Gott gerecht wird allein durch das Geschenk des Glaubens. Gleichzeitig bekennt sich die Reformation zu jener ursprünglichen Kirche, die in der Tradition der Apostel steht. In diesem Sinne hat sie keine neue Kirche begründet.
Zahlreiche kirchliche und politische Faktoren haben im 16. Jahrhundert zur Kirchenspaltung geführt. Entscheidend war nicht zuletzt der über Jahrhunderte gültige Grundsatz "Cuius regio eius religio" (Lateinisch: Wessen die Region, dessen die Religion). Die Konfession des jeweiligen Landesfürsten bestimmte das Bekenntnis der Untertanen. Reste des so genannten landesherrlichen Kirchenregiments ragen bis in unsere Zeit hinein. Gleichwohl sind die lutherischen Kirchen in den meisten Regionen vom Staat getrennt.
Sie ordnen ihre inneren Angelegenheiten selber. Ein wichtiger Grundsatz ist, dass nicht überall die selben Ordnungen und gottesdienstlichen Riten einzuhalten sind. Unverzichtbar ist dagegen die Übereinstimmung in der Verkündigung des Evangeliums und in der evangeliumsgemäßen Verwaltung der Sakramente.

