Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen, in der das Evangelium verkündet, die Sakramente gefeiert und die christliche Nächstenliebe praktiziert wird. Ihre Strukturen richten sich nach ihren grundlegenden Funktionen von Zeugnis (Martyria), Gottesdienst (Leiturgia) und Dienst am Nächsten (Diakonia). Der Begriff Kirche leitet sich her vom griechischen "kyriakon" (Herrenhaus, Haus Gottes), in dessen Zentrum die Berufung durch Gott steht. Die romanischen Sprachen beziehen sich auf das griechische Wort "ekklesia". Es bezeichnet die Versammlung der Bürger einer Gemeinde.
In den Evangelien begegnet der Begriff an zwei Stellen: In der Petrusverheißung (Matthäus 16,18) besagt er die universale Gemeinschaft aller Glaubenden, in Matthäus 18,17 die lokale Gemeindeversammlung. Die sparsame Verwendung zeigt, dass der historische Jesus anscheinend nicht das Ziel verfolgte, eine von Israel getrennte Glaubensgemeinschaft zu gründen. So formulierte etwa der französische Theologe Alfred Loisy im Jahr 1902: "Jesus verkündigte das Reich Gottes, und die Kirche ist gekommen."
Die Apostelgeschichte lässt die Kirche aus dem Pfingstereignis entstehen, und auch die Paulusbriefe führen die Gründung der Kirche auf das Wirken des Heiligen Geistes zurück. Demnach ist die Kirche nicht primär eine Institution oder ein Zusammenschluss von Menschen gleichen Glaubens, sondern eine Stiftung des Geistes. Die Aufnahme in sie erfolgt nicht in erster Linie durch menschlichen Entschluss, sondern als Geschenk im Zeichen der Taufe und des Abendmahls.
Die konstantinische Wende veränderte die Bedingungen für die Entfaltung der Kirche grundlegend. Aus der verfolgten Gemeinschaft wurde eine Volkskirche, in der sich die Bischöfe als höhere Würdenträger von den einfachen Gläubigen ("Laien") absetzten. Die Entfremdung zwischen der Ost- und der Westkirche führte zur Trennung im Jahr 1054.
Die neuzeitliche Entwicklung ist durch die Kirchenspaltungen des 16. Jahrhunderts geprägt. Bei den Reformatoren steht die durch Wort und Sakrament versammelte gottesdienstliche Gemeinde im Zentrum der Kirchenvorstellung. Im Gegensatz dazu hat die römisch-katholische Kirche den institutionellen und rechtlichen Aspekt unterstrichen. Dies führte zu einer fortschreitenden Konzentration auf das Papstamt.

