Katechismus bezeichnet im Mittelalter die religiöse Unterweisung und seit dem 16. Jahrhundert zunehmend ein Buch, das der religiösen Unterweisung in Kirche und Familie, später auch in der Schule, diente. Frühe Katechismus-Veröffentlichungen griffen auf die katechetischen Hauptstücke der Tradition zurück und verwendeten ein Gliederungsprinzip, das in ähnlicher Form schon bei Thomas von Aquin (1226-1274) vorhanden war.
Die Katechismen entstanden als Lehrbücher zum Kennenlernen der wichtigsten Grundformeln des Glaubens. Dazu gehörten das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und die Zehn Gebote. Nach Einführung der Buchdruckerkunst wurden die Lehrsätze nicht selten auf übersichtlichen Katechismus-Tafeln zusammengefasst.
Ziel des geschriebenen Katechismus war, einen Abriss dessen zu bieten, was gelernt und gewusst werden musste. Erst später wurde deutlich, welch hervorragenden Dienst der Katechismus für den Religionsunterricht und für den Predigtdienst leisten kann. Deshalb bemüht man sich heute, neuere Katechismen - wie den Evangelischen Erwachsenenkatechismus - in einer zeitgerechten und bibelnahen Sprache zu formulieren.
Die erste klassische Ausprägung eines solchen Unterweisungsbuches entstand 1529. Martin Luther schrieb seinen Kleinen Katechismus und ein Jahr später den Großen Katechismus. Beide Bücher haben bis heute in den lutherischen Kirchen die Bedeutung einer Bekenntnisschrift. So heißt es auch in der Verfassung des Lutherischen Weltbundes (LWB): "Mitglied kann nur werden, wer Luthers Großen und Kleinen Katechismus anerkennt."
Für die Reformierten ist der Heidelberger Katechismus verbindlich. Er gehörte ebenfalls zu den bedeutendsten Katechismen der Reformationszeit. Dieser Katechismus ist zusammen mit der in ihm aufgenommenen Kirchenordnung von 1563 die Frucht der Bemühungen von Kurfürst Friedrich III., die Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Reformierten in der Kurpfalz zu beenden.
Viele Kirchen in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und auch in Polen, Ungarn und Amerika übernahmen dieses Glaubensbuch. Der Heidelberger Katechismus stand in der Zeit des Kirchenkampfes auch Pate für die Barmer Erklärung.

