Evangelisch-lutherische Kirche in Braunschweig

Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen

Im Jahre 1986 wurde die Evangelische Akademie der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig unter Landesbischof Professor Dr. Gerhard Müller neu gegründet. Allerdings nicht als eigenständige Institution neben anderen Werken und landeskirchlichen Einrichtungen, sondern als ein Annex zum damaligen Amt für Religionspädagogik. Seit dieser Zeit haben die Leiter des Amtes ehrenamtlich als Geschäftsführer der Akademie fungiert und die jährlich vier bis sechs Tagungen bzw. wissenschaftlichen Symposien organisiert und geleitet. Die Programmplanung liegt in den Händen eines Wissenschaftlichen Beirats. Die Tagungen werden im Tagunsghaus der Landeskirche, Haus Hessenkopf, Goslar, durchgeführt.
Die Evangelische Akademie versteht sich als Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen. In ihrer Arbeit ist der freie, unzensierte Gedankenaustausch über diese Entwicklungen ein hohes Gut. Die Tagungen dienen der Bildung der Teilnehmenden wie auch der innerkirchlichen Meinungsbildung. In einer pluralen Gesellschaft hat die Akademiearbeit ihre frühere Funktion einer vor allem auf den Staat und die Politik bezogenen moralischen Instanz weitgehend verloren. Diese Funktion hatte ihr Recht, als man noch von einer Gleichordnung von Staat und Kirche ausgehen konnte, wie es in der Nachkriegszeit der Fall war. Heute ist klar, dass die Kirchen unterhalb des Staates auf der plural verfassten gesellschaftlichen Ebene angesiedelt sind. Die Wirklichkeit selbst ist komplexer und mehrperspektivisch geworden, so dass es die Aufgabe der Akademie ist, die Komplexität zunächst einmal auf die wesentlichen Aspekte zu reduzieren und die unterschiedlichen Perspektiven auf die Wirklichkeit sichtbar werden zu lassen. Die Akademiearbeit schärft den Blick auf die hochkomplexe gesellschaftliche, technologische und politische Wirklichkeit und schafft damit die Grundlage für eine differenzierte Meinungsbildung.