Evangelisch-lutherische Kirche in Braunschweig

Ziele der Pastoralpsychologie

Als Funktion der Kirche verfolgt die Pastoralpsychologie in ihr das gemeinsame Primärziel der Verkündigung des Evangeliums.
In Aufnahme der anthropologischen, soziologischen und psychologischen Erkenntnisse der Gegenwart besteht ihr Leitziel in der Verbesserung der Bedingungen, unter denen wirksame Verkündigung und Seelsorge möglich sind.
Konkret verfolgt die Pastoralpsychologie dieses Ziel durch die Arbeit an der Entwicklung von hermeneutischer und kommunikativer Kompetenz der Pfarrerinnen und Pfarrer sowie anderer leitender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Landeskirche.
Im Verfolgen dieses Leitziels leistet Pastoralpsychologie einen Beitrag zur Personalentwicklung unserer Kirche, und arbeitet mit ihren spezifischen Kompetenzen an einer Verbesserung der kirchlichen Praxis im umfassenden Sinne.
In den einzelnen Arbeitsfeldern (Einzelne, Gruppen, Organisationen) konkretisiert sich das beschriebene Ziel in den folgenden Zielperspektiven.

Zielperspektiven für Einzelne in Seelsorge und Beratung

  • Weiterentwicklung der Gesamtpersönlichkeit und einer theologisch reflektierten, persönlichkeitsspezifischen Berufsidentität in einem nicht wertenden Raum.
  • Arbeit an den Bedingungen gelingender Beziehungsaufnahme
    Verbesserung von Selbst- und Fremdwahrnehmung und Einbeziehung unbewusst wirksamer Anteile der Kommunikation und der Strukturen, welche sich auch auf der emotionalen Ebene ausdrücken
  • Stabilisierung und Perspektivenerweiterung in Krisen- und Konfliktsituationen
  • Klärung der Motive der Berufswahl bei Vikarinnen und Vikaren sowie Pfarrerinnen und Pfarrern, um zu ermöglichen, Eigenschaften, Emotionen, Stärken und Schwächen in die Gesamtpersönlichkeit zu integrieren
  • Angebote für persönliche Klärungsprozesse in den ersten Ausbildungsphasen

Zielperspektiven in Balintgruppen und Supervision

  • Aufgaben- und Rollenklärung
  • Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen
  • kompetenter Umgang mit (Autoritäts-)konflikten
  • Wahrnehmen von und produktives Umgehen mit Konkurrenz
  • Verstehen von Gruppenprozessen
  • offensives Wahrnehmen von Leitungsaufgaben
  • Umsetzung der gewonnenen Kompetenzen in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern (Kreise, Mentorat, Kindergartenteams, Konvente, Leitungsämter usw.)
  • Vertiefte Wahrnehmung symbolischer Ausdrucksformen (in Gottesdiensten, Amtshandlungen, Seelsorgegesprächen, institutionellen Strukturen, Organisationskulturen etc.)
  • Entwicklung von Bereitschaft zu Bedauern und Wiedergutmachung
  • Höhere Arbeitszufriedenheit
  • Erhalt und Steigerung der Arbeitsqualität

Zielperspektiven in Fortbildung und Organisationsentwicklung

  • Erweiterung einer Hermeneutik theologischer Zentralkategorien wie z.B. Schuld, das "Böse", Vergebung u.v.a.m.
  • Begleitung von organisationalen Abläufen in Veränderungsprozessen
  • Benennen von Ängsten und Widerständen
  • Ansprechen von Tabus um System-Wirkungen und Fehlentwicklungen zu beschreiben
  • Vermeidung von Verantwortungsdelegation und Spaltungstendenzen
  • Vermeidung von übereilten Handlungen durch vertieftes Verstehen der Prozesse und Entwicklung angemessenerer Wege konstruktiver Arbeit in Gruppen und Teams
  • Benennen von Ressourcen
  • Ermöglichung einer gemeinsamen Verantwortungsübernahme
  • Verstehen der als krisenhaft erlebten Veränderungsnotwendigkeiten als Möglichkeiten der Weiterentwicklung und Chance zur Integration einer tragfähigen gemeinsamen Organisationskultur

Begegnungen besser verstehen

Diese Ziele werden umgesetzt in Angeboten für Aus- und Fortbildung, Pastoralkollegs, Balintgruppen, Beratungen sowie Einzel-, Gruppen- und Teamsupervisionen
Die Pastoralpsychologie ermöglicht die Arbeit auf der Beziehungsebene, ohne die aufgabenorientierte, sachliche Ebene zu verlassen.
Die pastoralpsychologisch orientierte Wahrnehmungsweise hilft den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu einem umfassenderen Verstehen des jeweiligen Begegnungsgeschehens.
Damit ermöglicht sie eine Erweiterung der Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten im Interesse einer erhöhten Professionalisierung, größerer Wirksamkeit und gesteigerten Effizienz der Arbeit unserer Kirche.